Donnerstag, 28.09.2006
K&M Gutsweine - Weinhandlung in Frankfurt
Hallo liebe Leut, weiter mit dem Bloggen gehts bei:
http://bkam.wordpress.com/
Beste Grüße
Bernd Klingenbrunn
Mittwoch, 19.07.2006
2005 FREE RUN Blanc de Noir
Hallo Freunde des Rebensaftes
Nach längerer Abstinenz (nein, nicht von unserem geliebten Wein), sondern berufsbedingt, muss ich hier einmal ein paar Zeilen zum gestrigen Wein des Abends, den wir bei ca. geschätzen 28 Grad um 21:00 Uhr auf der Terrasse zum abendlichen Grillen mit Huhn, Tabouleh und diversen Salaten ratzfatz vernichtet haben, weil er einfach Spaß gemacht hat!
2005 Blanc de Noir "FREE RUN"
Weingut Ackermann
Ilbesheim/Pfalz
ab Hof 4,- EURO
Eine von der Traubenzusammenstellung her recht ungewöhnliche Cuvée aus Spätburgunder, Cabernet Franc und Schwarzriesling (Pinot Meunier). Auch der Zusatz "Free Run" hat seine Bedeutung, nämlich wurde nur der Saft/Most verwendet, der durch Eigendruck entstanden ist, sozusagen der Vorlauf.
Keinerlei rötliche Färbung, im Duft Anklänge an rote und weiße Johannisbeeren. Saftig-beeriger Geschmack, samtig am Gaumen, im Hintergrund schwingt eine ganz feine Säure das Zepter, begleitet von einer dezenten, passenden Restsüße, dennoch trocken wirkend.
Ein sehr schöner Speisenbegleiter, aber auch einfach so zum Genießen.
Frank Ackermann´s Weine habe ich erstmals im Jahr 2005 auf der Landauer Weinmesse kennengelernt und war von seiner Interpretation der beiden, hochmineralischen Rieslinge "Buntsandstein" aus der Lage Leinsweiler Sonnenberg sowie "Kalkmergel" aus der Ilbesheimer Lage Rittersberg begeistert. Sehr individuelle, unglaublich finessenreiche, saftige Weine aus DER Weißweintraube überhaupt. Begeisternd auch die Preise. Beide bei Abholung gerade mal 6,- EURO.
Klasse auch der Sauvignon Blanc zu 5,90 EUR, mit dem er erstklassige Platzierung im Feinschmecker und bei der SB-Trophy erreicht hat. Ich denke, hier haben wir ein 26-jähriges Winzerjuwel, dass in den nächsten Jahren sicherlich noch von sich hören läßt.
Im Moment ist auf dem Winzerhof reges Treiben, denn es wird seit ein paar Wochen ein neues Kelterhaus gebaut. Es wird also investiert und diesen Mut sollte man unterstützen.
Ich jedenfalls werde den Weg weiter beobachten, ebenso die dortige Szene, denn hier tut sich im Moment sehr, sehr viel. Also liebe Leut, Augen auf in de Palz
Beste Grüße
Bernd Klingenbrunn
(Nicht verwandt oder verschägert oder sonst in geschäftlicher Beziehung stehend mit dem Gelobten)
Donnerstag, 25.05.2006
Champagner zum Verlieben - Janisson-Baradon
Ostern 2006
Champagner übt auf viele Menschen immer noch eine Faszination aus. Doch vieles, was als Champagner auf den Markt kommt, ist meiner Meinung nach den Namen nicht wert. Zu austauschbar, uniform, ohne den Kick, den ein großer Champagner auslösen kann.
Auf einer Messe im Februar kam ich nach der Probe vieler enttäuschender Champagner am Stand von Cyril Janisson vorbei. Dort angekommen und nach einem Blick auf die Verkostungsliste musste ich wohl den berühmten 6er im Lotto gezogen haben. "NICHTS mehr zu kaufen habe er da, restlos ausverkauft sei er, sagte Cyril mit einem Blitzen in den Augen, allenfalls die ?demi-bouteille? des Brut wäre noch da. Probieren können wir jedoch schon noch.? Na toll!
Doch schon der erste Schluck lies mich im Innersten juchzen. Hier waren wir richtig. ENDLICH Champagner. Feinste Aromen nach Zitrus, Brot, etwas Brioche, im Mund endlich das Mousseux ? fernperlig und elegant ? wie ich es mir wünsche, am Gaumen frisch, Finesse und Struktur und ausgesprochen lange im Mund schmeckbar. Ja, dass ist Champagner.
Mein berühmtes Bauchgefühl intonierte: hier waren wir nicht das letzte Mal. Und so kamen mir die Osterfeiertage gerade recht, in meinem 7-tägigen Frankreich Exkurs das Haus Janisson-Baradon in Epernay zu besuchen.
1922 von Georges Barandon gegründet, produziert das Familienunternehmen heute pro Jahr etwa 70.000 Flaschen, bei unserem Besuch warteten ca. 100.000 Flaschen auf das Degorgement und den Verkauf.
Mit Cyril Janisson
stieg im Jahre 1997 die 5. Generation in die Produktion ein, nachdem er sein Studium und diverse Praktika im Beaujolais und Burgund beendet hatte. Seit jenem Jahr wird nun auch in besonderen Jahren Lagen-Champagner (Toulette) hergestellt.
Dieser wurde früher üblicherweise mit einer Kordel verschlossen (bis ca. 1900), heute ist diese Art des Verschlußes aber verboten. Aber Cyril wusste sich zu helfen und konterte die Bürokratie geschickt aus. (Siehe Foto)
Grundsätzlich werden die Weinberge natürlich gedüngt, es werden keine Herbizide und Pestizide verwendet. Eng mit der Tradition verbunden, werden die Grundweine des Hauses Janisson-Baradon schon immer selbst gekeltert, gelagert und natürlich zu eigenem Champagner weiter verarbeitet.
Einzelne Grundweine aus besonderen Parzellen kommen für eine Zeit von 8-12 Monaten ins Holzfass. Im Durchschnitt lagern die Weine 15 Monate (Brut) in der Flasche auf der Hefe, bevor sie degorgiert werden. Grande Reserve, Einzellagen und die Non Dose sogar bis zu 3 Jahre.
Bevor sie in den Handel kommen, werden die Weine danach noch mindestens 6 Monate auf dem Weingut gelagert, um sich zu harmonisieren.
Die durchschnittliche Ertragsmenge in der gesamten Champagne liegt in etwa bei 75 hl/ha, bei Janisson in etwa bei 50-55 hl/ha, Cyril´s Einzellagen-Champagner Toulette bringt es gerade einmal auf 30 hl/ha.
Cyril Janisson ist im Vorstand der Vignerons Independante der Champagne. Auf seinen Urgroßvater geht übrigens die Städtepartnerschaft von Epernay mit Ettlingen bei Karlsruhe zurück.
Im Jahre 2000 wurde Cyrils Tochter geboren, was er zum Anlass nahm, ihr eine eigene Metallkapsel (Baby-Bär)

in limitierter Auflage zu widmen.
Man muss wissen, dass für diese Kapseln in Frankreich ein Sammlermarkt ähnlich wie für Briefmarken existiert. Teilweise haben solche Kapseln einen Marktwert von bis zu 50,- EUR, wenn sie in geringster Stückzahl aufgelegt werden.
Erstmals mit dem Jahrgang 2005 wird Cyril Janisson auch 3 Einzellagen-Champagner anbieten, davon regulär den Toulette sowie 2 weitere aus Pinot Noir. Diese werden allerdings frühestens im Jahre 2010/11 in den Verkauf gelangen.
Zusammen mit Cyril ? einem unglaublich sympathischen, mit einem gewissen Schalk im Nacken ausgestatteten, aber auch voller Visionen steckenden Menschen, haben wir dann nach einem ausführlichen Rundgang
in den Katakomben
des Weingutes natürlich auch die Objekte der Begierde probieren dürfen.
Wir haben probiert:
Champagner Non dosé:
50% Pinot Noir / 50% Chardonnay
Ohne Restzucker ; der Grundwein ist 5 Jahre alt und identisch mit dem Grande Reserve allerdings ohne Dosage. Im Duft hochreifes Traubenmaterial, etwas Grapefruit, wunderbar feines Mousseux mit cremigem Mundgefühl. Sehr, sehr vielschichtig und spannend.
Champagner Brut Selection:
50% Chardonnay / 50% Pinot Noir, davon 20% aus Reserveweinen
Etwas frischer und spritziger, das Mousseux wieder sehr fein, im Mund würzig und tief, noch hefige Noten, auch Rauchnoten sowie etwas Birnenduft. Ungemein intensiv im Mund.
Champagner Cuvée Toulette 2000
100% Chardonnay ; Champagner aus 1947 gepflanzten Reben, wird nur in außerordentlichen Jahren hergestellt. 12 Monate Lagerung im gebrauchten Barrique, davor Gärung im Stahltank. Reift 5 Jahre, bevor er in den Verkauf gelangt. Goldgelb steht er im Glas, expressive Nase nach gerösteten Nüssen und frisch gebackenem Brot (Kruste) Im Mund mächtig, dicht, reicher Charakter, ?cremeuse?. Pures Champagner-Vergnügen oder zum Essen !
Weitere Champagner, die wir nicht probiert haben
Champagner Demi-Sec
50% Chardonnay / 50% Pinot Noir, davon 20% aus Reserveweinen
ca. 40g Restzucker
Champagner Brut (war noch nicht im Verkauf)
50% Pinot Noir / 40% Chardonnay / 10& Pinot Meunier
Champagner Brut Rosé
45% Pinot Noir / 45% Chardonnay / 10% Coteau Champenois Rouge
Dieser Rosé wird durch separates Vinifizieren der Trauben und nicht durch die Mischung von « Rot+Weiß « vinifiziert.
Übrigens legen die Besitzer auch viel Wert auf die Tradition des Berufes und sammeln auch längst nicht mehr in Gebrauch befindliche Dinge.
Montag, 01.05.2006
Großes Geschmackskino bei Harald Wohlfahrt in der Schwarzwaldstube der Traube in Baiersbronn-Tonbach
Eine Audienz beim Papst ist schneller zu kriegen als ein Abendmahl bei Wohlfahrt. Wer am Wochenende kommen will, muss derzeit sechs Monate vorher reservieren, alltags bleiben ihm immerhin noch vier Monate Vorfreude. Der Beste zu sein, ist nicht nur eine schwere Bürde für den Koch, sondern auch für seine Gäste ...
Im 12. Jahr führt er nun schon unangefochten alle kulinarischen Hitparaden hierzulande an und jeder fünfte deutsche Koch, der erfolgreich nach den Sternen griff, hat bei ihm Kartoffeln geschält, einen Posten gehabt oder gar als Souschef reüssiert. Wer bei ihm arbeitete oder aß, durfte erfahren, dass Perfektion kein deutscher Wahn, sondern eine kulinarische Tugend ist, die Wohlfahrt vom Einkauf der Produkte bis zum letzten Handgriff beim Anrichten so gnadenlos anstrebt wie Robuchon und Girardet zu ihren Glanzzeiten.
Wenn ein Gericht seine gestrengen Geschmackskriterien erfüllt und er es servieren lässt, dann ist es vollendet wie ein Meisterwerk ? nichts was man hinzufügen oder weglassen könnte, würde es verbessern. Wie ein Schachgenie hat Wohlfahrt seine Partie durchdacht und die geschmackliche Reaktion des Essers vorausempfunden. Auf dem Teller liegt kein Blättchen, das bloß dem Schönheits-, aber nicht dem Geschmackssinn dient, wenn etwas Grünes wegen der Suggestion von Frische dabei sein soll, dann ist es auch aromatisch ausbalanciert. Nichts ist dick geschnitten oder dünnflüssig, nichts knusprig oder cremig, nur um das Mouthfeeling zu befriedigen, immer ist auch die stärkere oder dezentere, schnellere oder langsamere geschmackliche Wirkung einkalkuliert.
Temperaturkontraste setzt er selten, dann aber wie selbstverständliche klassische Effekte ein. Stets hat Wohlfahrt bedacht, wie intensiv und nachhaltig sich die Aromen seiner Komposition Bissen für Bissen im Mund entfalten und vermählen ? so inszeniert man Geschmack. Gerichte in solchem Optimum von Logik und Schönheit sind mehr als große Küche, sie sind pure Kunst.
Zitat Ende.
Nachdem man ja Harald Wohlfahrt´s französischem Restaurant "Schwarzwaldstube" im Restaurant Traube im beschaulichen Tonbach bei Baiersbronn relativ früh im Voraus reservieren muss, um sich am Wochenende einen der jeden Abend ausgebuchten 40 Plätze zu ergattern, haben wir relativ früh im Januar bereits angefragt und auch für den 30.04.2006 eine Zusage bekommen.
Gestern abend war es dann soweit und wir sind zusammen mit guten und lieben Freunden dort hingefahren. Anlass war ein Geschenk zu unserer Hochzeit am 24.10.2005.
Schon der Empfang war sehr freundlich und aufmerksam. Bisher kannte ich das Restaurant eher flüchtig aus Fernsehberichten oder Fotos und hatte die Befürchtung, von dunklen, schweren "Bauernmöblen" erschlagen zu werden. Aber erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt.
Natürlich sind die rustikalen Holzelemente nicht zu übersehen, aber durch die großzügige Raumaufteilung und die großen Fensterflächen hat man nie ein Gefühl der räumlichen Enge. Schöne Accessoires auf dem Tisch und dezente Bilder an den Wänden sorgen ebenfalls für eine aufgelockerte Atmosphäre. Sehr angenehm auch der Service, der sich als "Speisekartenbeauftragter" vorstellte und so gar nichts von Steifheit erkennen lies, wie jeder der Herren in den schwarzen Anzügen und den Damen in ihren regionalen Trachten. Wir fühlten uns von Beginn an sehr wohl, fast wie zu Hause.
Auch der Patron, Herr Finkbeiner, begrüßte uns anlässlich unseres Anlasses und wünschte uns einen schönen Abend, das Essen solle nur bescheiden zu diesem beitragen. Welch Understatement!
Nachdem wir uns alle für das Große Degustationsmenü entscheiden hatten, wurde uns ein Aperitif in Form eines Walderdbeerlikörs, aufgefüllt mit einem Winzersekt von der Saar, gereicht. Sehr erfrischend, der Hauch Erdbeeren wunderbar integriert und das ganze mutete überhaupt nicht süß an, sondern sehr animierend.
Was dann im Laufe der nächsten 4 Stunden folgte war Perfektion in hohem Maße mit einer bisher nie erlebten Pointierung von Armomen, Garzeiten und kleineren Details wie Anrichten auf dem Teller.
Zu unserem ersten Gang:
Zweierlei von der Gänseleber, mit Chutney von Datteln und Mandeln, sowie Ananas und Mango.
Sommelier Stéphane Gass, Mitte 30, der bereits im 15. Jahr für die Traube Weine einkauft und seinen Gästen empfiehlt, reichte uns zu diesem Entrée einen 1990er Pinot Gris Vendage tardive des Winzers Josmeyer aus dem Städtchen Wintzenheim im Elsaß.
Immer noch unglaublich frisch, fügte er sich in die Leichtigkeit des Gerichtes perfekt ein. Keinerlei Alterungsnoten, auch überhaupt keine vordergründige Süße spürbar, sondern insgesamt eine perfekte Marriage.
Natürlich wollten wir uns bei einem Blick in die Weinkarte auch für einen Wein der die folgenden Fischgänge begleiten sollte, entscheiden. Die mit ca. 700 Positionen besetzte Weinkarte macht es da einem nicht ganz einfach. Wir entschieden uns dann für einen 2002er Montagny Premier Cru aus dem Burgund. Eine gute Wahl für die folgenden Gänge:
Sankt-Jakobsmuscheln auf Spitzmorchelragout, in leichtem Chablissud.
Perfekt links und rechts kross angebraten, im inneren noch mit leicht glasigem Kern. Ein Traum, das vom Spitzmorchelragout mit seinen kräftigen Noten nie geschmacklich untergebuttert wurde. Hierzu passte der Wein mit seinen kräftigen Frucht und festen Statur, dennoch aber feinen Aromen sehr gut. Auch alleine getrunken ein wunderschöner Wein.
Es folgte die Zanderschnitte mit krosser Haut, Fenchelpüree und Bärlauch-Pistousauce.
Auch hier bestimmte wieder die Klarheit der einzelnen Aromen das Gericht. Ein perfekter, geschmacklich hocharomatischer Fisch, feinstes Fenchelaroma. Die Pistou mit getrockneten Tomaten, angewärmten Olivenöl unterstrich dieses Gericht mit dezenten Tomatennoten, allerdings war mir persönlich der Einsatz der Menge an Sauce zuviel, es verwischte etwas die einzelnen, klaren Aromaten. Dennoch ein vorzügliches Gericht, dass in seinem Gesamtbild mit dem Wein eine gute Verbindung einging.
Beim Lammkarree mit Ingwer-Paprikakruste gratiniert und Balsamicoglace
empfahl uns Stéphane Gass den besten 2002er aus der Region, einen Cotes du Roussillon ?Saturne? von der Domaine Olivier Pithon aus Calce.
2002 war ja ein Jahr mit extrem viel Regen und so waren wir erst skeptisch. Der Wein, der uns zunächst fälschlicherweise in Burgundergläsern serviert wurde und dort doch eher die Säure stark forciert wurde, entwickelte sich nach dem Umfüllen in Bordeaux-Gläsern deutlich dunkelfruchtiger und auch die Säure nahm sich merklich zurück. Auch hier ging der Wein gut einher mit dem Lamm aus Limousin.
Überwältigend dann die Käse vom Wagen. Nicht von der Menge her, da hab ich schon größere gesehen. Nein, jeder der von mir ausgewählte Käse, sei es nun der gereifte, leicht salzige Brillat-Savarin, der in Kräutern eingelegte korsische Schafskäse, oder die beiden anderen, deren Namen mir entfallen sind, waren erstens perfekt auf den Punkt gereift und zweitens von so einer geschmacklichen Intensität, wie ich Sie bei Käse so bisher noch nie erlebt habe. Dazu gab es Süßwein glasweise, nämlich einen 2003 Jurancon Clos Uroulat aus der Rebsorte Petit Manseng.
Ein weiterer geschmacklicher Höhepunkt folgte mit dem Dessert, ein Moelleux von 65% Manjari Schokolade
mit einem
Cappuccino von Tahiti-Vanilleeis.
Selten war ein Schokoladendessert perfekter als dieses. Unglaublich intensiver Schokoladengeschmack, dass Innere flüssig, der Rand mit einer Leichtigkeit gebacken, auf der Oberseite mit einer dünnen, krossen Schicht karamellisiertem Zucker.
Im Mund ein unglaubliches Geschmack-und Gefühlserlebnis. Das Eis von der Tahiti-Vanille war übrigens auch nicht schlecht;-)
Als Weine wurden uns ein 1994er Portwein LBV der Quinta do Noval sowie ein 1988er Banyuls L'Etoile, Grand Reserve, Grand Cru empfohlen. Mir hat der vollfruchtige Port besser gefallen, den Banyuls empfand ich fast schon zu elegant, aber auch geschmacklich zu fortgeschritten für dieses schokoladige Dessert.
Als Menüabschluss folgte ein Apfel-Koriander-Sorbet auf mariniertem Ananasragout sowie einem Eukalyptus-Knusperblatt.
Dies war geschmacklich nochmals sehr erfrischend nach dem Schokoladen-Hammer, interessant auch das Eukalyptus-Knusperblatt, das dem Gericht nochmals eine interessante, ja fast kühle Wendung gab, wenn man es im Ananasragout zerbröselte. Die Behauptung, zu Ananas würde kein Wein passen, wurde hier mit einer Riesling Auslese beantwortet.
Als Fazit: für mich beeindruckend, die Klarheit der Aromen, nie habe ich Salz vermisst, obwohl ich immer das Gefühl hatte, bei einzelnen Gerichten wäre kein Salz verwendet worden. Auch sehr überzeugend die Natürlichkeit des Servicepersonals und die Freude, mit der Stéphane Gass sein Sommelieramt ausübt. Es hat ein Riesenspaß gemacht und ich bin am überlegen, ob ich dort nicht immer meinen Hochzeitstag verbringen möchte. Nach Stunden des Hochgenusses möchten wir uns verneigen vor Harald Wohlfahrt und seinem hervorragenden Team.
Freitag, 20.01.2006
Neu und gut: K & M Gutsweine
Die neuesten Zahlen der Marktforschungsgesellschaft GfK lassen aufhorchen: jede 4.Flasche wird beim 4-Buchstaben-Discounter gekauft, insgesamt 50% aller in Deutschland verkauften Rebsäfte stammen von Discountern.
Höchste Zeit für ein Umdenken, denn mit Beratung, Probe und Informationen über Anbaugebiet und Winzer macht Wein doch gleich noch mal so viel Spaß. Und teuer muss er deshalb auch nicht sein!
Im Westen nichts Neues? Von wegen! Anfang Oktober hat in der Hamburger Allee ein neuer Weinladen eröffnet.
Der Weinliebhaber Bernd Klingenbrunn machte seine Leidenschaft zum Beruf und verkauft seitdem Terroir-Weine, deren Geschmack charakteristisch für ein bestimmtes Anbaugebiet ist. Das kann dann etwa ein Riesling aus dem für die Gegend unterhalb von Koblenz typischen Terrassenanbau sein (2004er Riesling Schieferterrassen von Heymann-Löwenstein) oder ein Prosecco der Cantina Montelliana, dessen authentischer Geschmack im Supermarkt vergeblich seines Gleichen sucht.
Rund 150 Tropfen aus Europa bieten Klingenbrunn und sein Kompagnon Armin Maurer an, der das Geschäft nicht nur mit seinem Wissen über portugiesische Weine bereichert. Aus dem bei uns eher nur für Portwein bekannten Land präsentiert er spannende und preisgünstige Tropfen, etwa einen Rotwein, der traditionell in Ton-Amphoren ausgebaut wird (2003 Tinto da Talha)
Quelle: Plan.F
Donnerstag, 15.12.2005
Wine in the City
... mit Blick für Tradition. Erwin Tinhofs Weingärten liegen an den Hängen des Leithagebirges, der Keller, in dem Weine aller Couleurs entstehen, mitten in der burgenländischen Hauptstadt.

Erwin Tinhof (li.), Winzer aus Eisenstadt, und Steven Spurrier vom britischen Fachmagazin "Decanter" bei der Gala zur Verleihung der Decanter World Wine Awards im September 2005 in London
Er zählt zu den "bekannten Unbekannten" oder zu den "lauten Leisen" in der Weinszene, der ohne Umwege über Marketing-Speak sagt, was er denkt. Positioniert hat er sich mit klar strukturierten, fruchtigen Weinen aus traditionellen österreichischen Rebsorten, wobei er vor allem für seine Süßweine international mehrfach ausgezeichnet wurde.
Als er begann, erzählt Tinhof, "hatte ich keinen einzigen Kunden, weil vorher alles im Fass verkauft wurde. Dafür konnte ich den Wein machen, den ich wollte". Sein Onkel hatte die Ölhandelsfirma der Familie bereits vor der Ölkrise 1973 verkauft und das Geld in Weingärten in guten Lagen wie "Feuersteig" investiert, die Erwin Tinhof 1990 pachtete.
Nach einem Landwirtschaftsstudium in den 80-ern ging er für ein weiteres Semester an die Universität von Montpellier in Südfrankreich. Auch um ein Praktikum am Weingut "Mas de Daumas Gassac" in Aniane zu machen, das Aimé Guibert gehört. Dessen Auseinandersetzung mit der Mondavi-Familie war eines der Hauptthemen der Wein- Doku "Mondovino". Mitgebracht habe Tinhof einmal die Erkenntnis, das man Wein macht, um Geld zu verdienen, und auch dass Wein in Frankreich ein Kulturgut sei, etwas, das "eine auf Geschichte begründete soziologische Bedeutung" habe.
"Ich wollte zu Hause nichts kopieren, sondern etwas Eigenes machen." Daher setzte Tinhof seit seinen Anfängen auf Sorten wie Neuburger und Weißburgunder, auf Zweigelt, Blaufränkisch und Sankt Laurent. Alle Tradition hindert ihn aber nicht daran, als erster einen Süßwein, Beerenauslese 2002, mit Schraubverschluss abzufüllen. Die Trockenbeerenauslese 2002 aus hauptsächlich Weißburgunder mit etwas Chardonnay, Welschriesling und Neuburger erhielt im September die "Sweet Wine Trophy 2005" des britischen Fachmagazins Decanter.
"Ich glaube, dass das Lagenpotenzial hier in der Region gewaltig groß, aber keinesfalls ausgelotet ist", so Tinhof. "Wenn Österreichs Rotweine international punkten sollen, dann nur mit Individualität." Wobei Internationalität "nicht nur Deutschland" heißt, und man auch einsehen müsse, dass "viele Rotweintypen bereits abgedeckt sind. Aber mit Blaufränkisch müsste einiges gehen." (Luzia Schrampf, DER STANDARD - Printausgabe, 10./11. Dezember 2005)
Zu beziehen ist ein großer Teil des Sortimentes in Deutschland bei der Weinhandlung K & M Gutsweine im Frankfurter Stadtteil Bockenheim.
Donnerstag, 24.11.2005
Joachim Müller gestorben
Baden-Baden (no) -
Mitten aus dem Leben gerissen wurde Joachim Müller, Inhaber des renommierten Gastronomiebetriebes "Waldhorn" in Baden-Baden Oberbeuern. Müller ist am Dienstagabend im Alter von 54 Jahren gestorben, in der Küche, bei der Arbeit brach er zusammen.
Warum???
Am Sonntag haben wir noch angerufen, um dort zu Mittag zu essen, aber leider war an diesem Tag geschlossen.
Bei Ursula und Joachim Müller, damals noch im Adler in Gaggenau-Ottenau tätig, hatte ich als Koch meine schönste Zeit. In keinem anderen Betrieb wurden die Mitarbeiter mit soviel Wärme und Menschlichkeit verwöhnt.
Obwohl ich Ihn nun schon mehrere Jahre nicht mehr gesehen hatte, so blieb mir doch seine herzensgute Art im Herzen erhalten. Ich werde ihn auf seinem letzten Wege am Dienstag, den 29.11.2005 in Michelbach begleiten.
In stiller und tiefer Trauer
Bernd Klingenbrunn
Mittwoch, 16.11.2005
Ein Besuch der Weinhandlung K & M Gutsweine in Frankfurt aus Kundensicht
Ein Besuch bei K&M Gutsweine:

Arbeit hin, Arbeit her, heute musste es einfach sein... Wir sind nach Frankfurt gefahren, haben dort meine Schwiegereltern eingepackt und sind anschließend alle zusammen in die Hamburger Allee 37 eingefallen, wo mein geschätzter Weinforumskollege Bernd Klingenbrunn gemeinsam mit einem Partner seit gut fünf Wochen eine kleine, feine und sehr eigenständige Weinhandlung betreibt ? K&M Gutsweine.
Da ich um Bernds sympathische "Schwäche" für terroirtypische, akribisch ausgebaute Winzerweine weiß und diese kenne und teile, hatte ich mich im Online-Shop von K&M bereits umgeschaut und eine kleine Liste potenzieller Verkostungs- und Kaufkandidaten mitgebracht.
Womit natürlich alles kam, wie es kommen musste: Man kostet diesen, schnuppert an jenem, Bernd, gesegnet mit beidem, profunder Weinkenntnis und unerschöpflichem Enthusiasmus, begeisterte sich für Château Ségonzacs "Heritage" 2001, einen trockenen, klassischen Bordeaux aus einem Satelliten der großen Appellationen und mit demgemäß phantastischem Preis-Leistungsverhältnis. Dann schwenkten wir über zu den Portugiesen, streiften kurz das Rotweinwunder Österreich, vertreten durch Erwin Tinhofs bemerkenswerte Cuvée Feuersteig, um anschließend über die exzellenten Rieslinge des knorrigen Pfälzers Theo Minges zu schwadronieren.
Man kann nur bewundern, wie es Bernd und sein Partner immer wieder zu schaffen scheinen, oft noch unbekannte Winzer zu entdecken, die abseits der ausgetretenen Trampelpfade des Mainstream superbe, eigenständige und oft geradezu erschreckend preiswerte Weine ausbauen.
Diese Ausrichtung aufs Terroirtypische und auf kleinere Winzer, oft echte "Weinverrückte", das ist es, was K&M Gutsweine in meinen Augen, nein, an meinem Gaumen, zu einer echten Alternative unter Frankfurts ansonsten oft austauschbaren Weinhandlungen macht.
Empfehlung deshalb: Bei Gelegenheit selbst mal reinkosten. Und ansonsten die Möglichkeiten der sehr professionellen und hilfreichen Website ausnutzen ? insbesondere die dort jedem Wein zugeordneten grafischen Verkostungsprofile dürften selbst Wein-Novizen die Einschätzung ausgesprochen leicht machen. Also: Enjoy!
Nachtrag: Ja, klar, wir sind mit einigen Kartons voller Wein und zwei Flaschen mit feinstem, kaltgepresstem Olivenöl im Kofferraum des dicken DUESENelchs wieder nach Hause gefahren...
Dienstag, 21.06.2005
1965 Vega Sicilia - 1985 Solaia - 2000 Unendlich F.X.Pichler and more
Vergangenes Wochenende war es endlich so weit. Ich musste mich von mehreren, liebgewordenen Dingen trennen. Zum einen von der voranstehenden drei im Geburtstag - die allerdings schon im April - zum anderen von so manch schönem Wein.
Das ich dies natürlich nicht alleine, sondern im kleinsten Kreis mit mir besonders liebgewordenen Freunden - allesamt über das Forum Wein-plus.de kennengelernt- getan habe, war mir ein besonderes Vergnügen.
Aufhänger waren Weine, die alle eine besondere Geschichte zu erzählen hatten. Sei es ein Wein, den ich wahrscheinlich nie getrunken hätte, wäre mein Fahrzeug nicht irgendwo in der toskanischen Pampa liegengeblieben (1985 Solaia), oder ein unvergleichlich gutes Essen im Restaurant des toskanischen Weingutes Castell´in Villa in Castelnuovo Berardenga, wo wir aufgrund eines internen Kommunikationfehlers ein ganzes Restaurant für uns alleine hatten und eine überragendes Menü von Massimo di Fulvio - ein Schüler von Gaetano Trovato (Rest.Arnolfo in Colle Val d´Elsa)- serviert bekamen.
Jener Wein, der uns damals begeisterte, sollte auch am Samstag auf dem Tisch stehen.
(1975 Chianti Classico Riserva)
Natürlich musste auch ein Wein meines Geburtsjahrganges dabei sein. 1965 war ja nicht der Überflieger-Jahrgang und so erwies sich die Suche denn auch als Glücksfall.
Dirk Würtz, Winzer aus Gau-Odernheim, hatte im Wein-Plus Forum eine Notiz des 65er Vega Sicilia "Unico" eingestellt und dem Wein noch Leben in Form von 92 Punkten attestiert. Für vergleichweise lächerliche 139,- EUR konnte ich eine Flasche bei ebay ersteigern.
Aber nicht nur vermeintlich olle Kamellen sollten auf dem Tische stehen. Auch was frisches, was zum Saufen, einfach für zwischendurch. Und nachdem ich die Hoffnung im Rheingau schon aufgegeben hatte, kam mir eine Empfehlung von Christin Jordan & Stephan Schäfer gerade recht.
Vom Antoniushof in Rauenthal kam ein prächtiger, äußerst typischer, knochentrockener 2004er Riesling Kabinett trocken aus dem Rauenthaler Rothenberg. 3g Restzucker standen 8 Promille Säure gegenüber, diese aber wunderbar integriert und äußerst trinkanimierend.
Vom jungen Dominik Russler kann man in Zukunft viel erwarten.
Hier nun aber der Reihe nach die Weine des Abends: die Notizen zu den Weinen jeweils vorangestellt.
helles Gelb-grün. Keine penetrante Fruchtbombe, vielmehr dezente Nase von miteinander verwobener Frucht und Mineralik. Mittelkräftiger Körper mit
äußerst prägnanter, aber dennoch reifer Säure. Ein sehr trinkanimierender Wein, der aber sicher nichts für Säureempfindliche ist.
2004 Riesling Kabinett trocken Rauenthaler Rothenberg
Weingut Antoniushof / Rauenthal
6,90 EUR / 0,75l /Stelvin-Verschluß
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Blind serviert:
4 Stunden in der Karaffe gelüftet: glänzendes Gelbgold; Der Wein fliest anmutig, kein schweres Fallen in das Glas. Sofort die Nase über das Glas gehalten: Moselschiefer, Böckser, Holzfass, Reifenote? Es wurde auf einen deutlich älterern Wein getippt.(1990er)Schwenken: RIESLING!! Die Nase wird ruhiger. Holz, Tabak-Aromen, Mineralik. Unendlich tief, dicht. Kaum Frucht, sehr dezent im Hintergrund, kaum zu definieren. Dichter, kräftiger Körper, aber keineswegs fett oder breit. Ideale Temperatur und hintergründige Säure lassen ihn elegant und harmonisch wirken. Er ist immer noch im Mund, unendlich langer Nachhall von exotischen Fruchtaromen, Aprikosen und Mineralik.
2000 Riesling "Unendlich" Qualitätswein
F.X. Pichler / Loiben / Wachau
64,- EUR / 0,75l / Naturkork
97/100 Punkte Parker
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Aus meiner Heimat Baden, die ich zu Anfang meiner Weinleidenschaft überhaupt nicht beachtete, musste natürlich auch was Gutes auf dem Tisch stehen.
Explosiver Duft nach vollreifen Trauben. Herrlich frischer Auftakt auf rassiger, bestens mit der Frucht verwobener Säure. Viel Frucht im Mund, sehr straff mit deutlich mineralischer Komponente. Ungemein langer, harmonischer Abgang. Jetzt sehr schön zu trinken.
2002 Riesling Spätlese trocken "Durbacher Plauelrain" ACHAT
Weingut Andreas Laible / Durbach
15,- EUR / 0,75l / Naturkork
94/100 Punkte Wein-Plus
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Aus dem Glas scheint ein transparentes Rot mit deutlich braunen Rändern. Die Nase wird von intensiven Waldbodenaromen dominiert. Aromatische Waldpilze, vielleicht Trüffel. Fruchtige Aromen halten sich eher im Hintergrund, Anklänge von Johannisbeeren und reifer Kirsche sind zu erahnen, ebenso wie eine dezente Rosennote. Auch altersbedingte Sherrytöne lassen sich nicht leugnen.
Im Mund kräftig und druckvoll mit deutlicher Säure. Etwas knapper Abgang, aber auch hier intensiver Nachhall von Waldboden und Pilzen. Wirkt nicht gezehrt, für dieses Alter ist er hervorragend erhalten. Ein Wein, der vielleicht etwas über dem Höhepunkt ist, aber beileibe noch nicht tot. Ein höchst traditioneller Chianti Classico mit klarer Definition der Sangiovese und kein parfümiertes, overstyltes Barriquenüttchen.
1975 Chianti Classico Riserva
Az.Agr. Castell´in Villa / Castelnuovo Berardenga / Toskana
17,- EUR / 0,75l / Naturkork / 12,5% Alk.
keine Bewertung gefunden
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Der Korken - sehr gut erhalten und kaum durchtränkt- lässt sich mit einem traditionellen Plopp wunderbar ziehen. WOW: ist die Farbe jugendlich. Ein tiefes Rubinrot ohne braune Reflexe strahlt uns an. Enorme Kirchenfensterbildung. Auch in der Nase keine Spur von Oxidationsnoten. Harmonische, intensive und tiefe Aromen von dunklen Beeren, Johannisbeeren und sogar schwarzen Oliven.
Sehr viel Würze und deutlicher Duft nach Paprika, unterlegt mit einer Prise Schoko-und Röstnoten. Im Mund enorm dicht und vollmundig und es ist nicht die Spur von Kargheit zu erkennen. Wärme, Weichheit, die deutlichen Tannine und die reife Säure verteilen durchgehend Druck und lassen den Wein am Gaumenende fühlbar herunterfallen. Intensiver Nachhall von Frucht und Würze mit Rauchnoten. Ein ungemein eleganter und faszinierender Wein, der noch lange nicht am Ende ist. Noch besser, als zuletzt vor 2-3 Jahren in der Toskana getrunken. Großer, grandioser Wein!
1985 Solaia
Vino da Tavola Mercatale di Val di Pesa
Marchesi L. e P. Antinori / Toskana
80% Cabernet Sauvignon & 20% Sangiovese
115,- EUR inkl. Versand aus Italien / 0,75l / Naturkork /
12,5% Alk.
95/100 Punkte Parker
19/20 Punkte Weinwisser
Gambero Rosso 3 Gläser
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Ich bin nervös! Ja nicht den Kork verlieren. Kein Glück. Er reist ab, aber die Bröselei hält sich in Grenzen. Stück für Stück wird er unter den bangen Blicken aller Beteiligten herausgepult. Geschafft. Entspannung ist angesagt, denn die Nase "Barbara" signalisiert: alles TCA-frei. Spannung macht sich breit: wie sieht er aus. Mit einen dichten, undurchdringlichen, ja fast scharzem Antlitz fliest er ins Glas. Keine Brauntöne. Stille und Andacht. Die Nase versucht angestrengt, die komplexen und dicht verwobenen Aromen zu
interpretieren. Ein leichter Stinker macht sich schnell von dannen. Es fällt das Wort "Bordeaux", intensive, tiefe Würze, Kaffee, Tabak, Maggie, etwas schwarzer Tee, rohes Fleisch. Schöne, wenn auch im Hintergrund schwingende Aromen von dunklen Beeren sowie etwas Leder. Auch im Mund sehr konzentriert und tiefgründig. Fast unglaublich, wie präsent die Tannine noch sind, ja es macht sich sogar noch eine leichte Adstringenz bemerkbar. Alkohol?? Völlig integrierte 12,5%; mehr brauchte man damals wohl nicht, oder braucht der Konsument heute mehr?. Nach 15 Minuten im Glas deutlich geöffneter in den Aromen: Speck, rauchig, Leder. Im Abgang druckvoll mit dieser tiefen Würze.
Ein toller, eleganter, sehr lebendiger, energievoller Wein auf seinem Höhepunkt. Alle Beteiligten waren sich einig: der Wein hat immer noch Potential. Bermerkenswert das sehr gute Füllniveau des Weines. Übrigens hat der Wein den JLF-Test als erster bestanden.;-)
1965 Vega Sicilia "Unico" Vino Fino de Mesa
Bodegas Vega Sicilia S.A / Ribera del Duero
Cuvée aus Cabernet S., Malbec, Merlot, Tinto Fino y Albillo
139,- EUR bei ebay / 0,75l / Naturkork / 13,5% Alk.
Nr. 42687 von 91.000 produzierten Flaschen
Bewertungen:
Dirk Würtz 92/100
http://www.wein-plus.de/neuarchiv/msg21845.html
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Im Vorfeld war ich mir nicht ganz sicher, was ich denn da nun bekommen habe. Einen süßen Recioto oder doch einen trockenen Amarone. Nun die 15% Alk. wiesen dann doch auf einen trocken Wein hin.
Dichtes Dunkelrot mit leicht orange-farbener Randaufhellung. Intensive, konzentrierte Kirscharomen, Pflaume, Würze, auch Röstnoten. Vollmundiger, dichter Körper, aber elegant und nicht breit oder alkoholisch wirkend. Voller und sehr langer Abgang mit langem, fruchtigen Nachhall. Trotz der 15% keine Wuchtbrumme, sondern mit viel Eleganz und Seidigkeit den Gaumen runter fliesend. Ein typischer, schön gereifter Amarone im Zenit stehend.
1985 Amarone Classico Superiore Recioto della Valpolicella
Bertani / Negrar / Verona
0,75l / Naturkork / 15% Alk.
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Ich kann mich noch genau erinnern, als ich auf der Jahrgangsprobe 2002 bei Wittmann -es muss wohl im Mai 2003 gewesen sein- den Wein spontan als Erdbeerwein titulierte. Der dort angebotene Erdbeerkuchen passte hervorragend zu dieser süßen, aber durch ihre animierende Säure immer frischen Auslese.
Messing-gelbe Farbe, klar und glänzend. Duft nach reifen Früchten und Honig. Im Mund saftig, frisch, höchst animierend. Im Geschmack Noten von braunem
Zucker, reifen, saftigen Pfirsichen und exotischen Früchten. Perfekte Balance von Säure und Süße. Zieht viel Saft und ist trotz des sicherlich hohen Zuckergehaltes einfach auch solo schweinelecker. Potential für weitere 10 Jahre. Wer einmal eine gereifte Huxelrebe von Schales aus 1988 probiert
hat, kann erahnen, wohin die Reise geht. Leider hat Philip Wittmann nach 2001 nie mehr eine solche Auslese-Qualität auf die Flasche gezaubert.
2001 Huxelrebe Auslese
Weingut Wittmann / Westhofen / Rheinhessen
7,50 EUR direkt ab Hof
0,75l / Naturkork / 8,5% Alk.
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klares, brillant glänzendes helles Rosa mit leicht bräunlichem Einschlag. In der Nase ein typischer Eiswein. Erinnert zusätzlich im Duft an trockenes Heu aus der Scheune, auch Karamell tritt mit der Zeit deutlich hervor. Im Mund deutliche Säure, die etwas spitz und vorlaut auftritt. Im Mund dann
Assoziation an süß-saure Himbeeren. Im Nachhall eintwickelt der Weine eine tolle weiche Harmonie und Eleganz und wirkt im Gegensatz zum Mund überhaupt nicht vorlaut. Passte zwar nicht zum Dessert, dafür aber zum Bleu d´Auvergne.
1998 Grossriedenthaler Blauer Burgunder Eiswein Prädikatswein
Weingut Familie Bauer / Grossriedenthal / Donauland / naturnaher Weinbau
15,- EUR direkt ab Hof
0,375l / Naturkork / 11% Alk.
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Ach ja, das Essen soll natürlich auch nicht unerwähnt bleiben. Auf Tiefkühlpizza war ich nicht unbedingt scharf. Wenn schon Pizza, dann selbstgemacht. Und auch der Matjes durfte im Fischladen bleiben.
Als Grüße aus der Küche gab es:
Spargelsülze mit rosa Pfeffer, geräuchertem Lachs, Creme double und Kräuterpesto
selbsgemachte, badisches Maultäschle mit Kartoffelsalat
(Gruß ans Waldhorn nach Baden-Baden-Oberbeuern)
Fenchelrahmsuppe (Jawoll, eine Suppe und kein Süppchen)
Ab dann vergaß der Gastgeber, Koch, Sommelier und Unterhalter doch tatsächlich seinen Job als Food-Fotograf :-(
Involtini gefüllt mit Büffelmozzarella, luftgetrocknetem Schinken und Salbei, dazu Salat von Tomaten und Rucola
Griesflammerie mit Rhabarber-Kompott und Erdbeeren
Espresso von der kleinen Rösterei bei Florenz "La Piantagioni del Caffee"
2001er Brand von der Williamsbirne - naturtrüb - Herbert Rösch/Bühlertal
Alle Weine nochmals auf einen Blick:
Danke an alle, die zu diesem wunderbaren Abend mit unvergesslichen Weinen beigetragen haben. Danke auch an G. für sein Gedächtnisprotokoll.
Bis zum 50. ;-))
Mittwoch, 13.04.2005
Jahrgang 2004 Johann Donabaum
Besuch und Jahrgangsprobe 2004 Weingut Johann Donabaum/Spitz-Wachau
Der Jahrgang 2004 bei Johann Donabaum
Fruchtig, brillant, verspielt............und nervig!
Die Veltliner, überaus fruchtig, würzig und trinkfreudig- ein Veltliner-Klassiker unter den Jahrgängen!
Die Rieslinge, mineralisch und sehr sortentypisch, untermalt von einer nervigen Säure.
Duft nach Hefe und gelber, reifer Marillenfrucht. Im Mund leicht, würzig, leicht cremig, animierende Frucht, sehr gute Balance.
Klarer Veltliner-Duft nach gelben Früchten. Im Mund deutlich dichter, mehr Persistenz, braucht etwas länger im Mund, um sich zu zeigen, wirkt verschlossen, hat aber jetzt schon ein erstaunliches Gleichgewicht. Wirkt am Ende etwas "kratzig", dennoch sehr guter Wein.
Ein gemeinsames Projekt von Johann Donabaum und seinem Freund und Winzerkollegen Franz- Josef Gritsch vom benachbarten Mauritiushof. Grüner Veltliner aus den besten Spitzer Rieden! Handgelesen und streng selektioniert, jahrgangstypische Finesse. Bekannt klassisch trocken, komplexe Würze mit subtiler Mineralität. Sehr stoffig und lang, bereits sehr gut zu trinken. Sehr schöne Trinkbalance.
Zur bestellen bei www.weinkenner24.de
Wunderschöner Duft nach Marillen, auch noch Hefe. Im Mund cremiger Auftakt, fein und Elegant am Gaumen mit herrlichem Spiel von Säure und Frucht. Ein sehr griffiger, nerviger Wein. Im Mund etwas Grapefruit und deutliche Würze, hat einen leichten Röstgeschmack(Hefe??).
Sehr klare Veltlinerfrucht mit reifen Marillen; kräftiger Ansatz, feines Säurespiel, angenehme Würze; im Mund dezente Rauchspeck-Noten, fruchtige Fülle, sehr elegante Erscheinung. Sehr gute Länge.
Deutlicher Rauch-Ton in der Nase, die Frucht gesellt sich eher zögerlich hinzu. Im Mund würzig, konzentrierte Frucht, leichtes Zuckerschwänzchen (5g), sehr schöne Extraktsüße. Ein sehr feinnerviges Spiel von Süße und Säure, bleibt sehr lange am Gaumen präsent und endet auf fantastischer Mineralität. Deutlicher 90 Punkte Wein.
Wieder klare Rauchnoten, aber eine deutlich präsentere Marillenfrucht. Im Mund hochkonzentriert, kraftvoll und sehr elegant bei extrem klarer Frucht. Endet klassisch hochmineralisch.
Die Rieslinge:
Duft nach Hefe, nicht übertriebener Aprikose und Pfirsich. Im Mund spritzig, saftig mit prägnanter Säure und schönem Fruchtspiel. Johann Donabaum hat seine Rieslinge in 2004 nicht entsäuert. Gegen Ende dezente Mineralik.
Kommt von Urgesteinsböden mit hohem Kalksilikatanteil. Feinnerviger Duft nach gelben Früchten. Im Mund knochentrockener Auftakt, aber keinesfalls mit hervorstechender Säure. Gutes Fruchtpolster, sehr mineralisch unterlegt. Klasse Federspiel.
In der Nase tritt entgegen den bisherigen Weinen eine deutliche Kräuterkomponente hervor. "Typisch für den Offenberg", wie J. Donabaum ergänzte. Ebenso deutlich ist auch der Boden zu erkennen: Schiefer in Purezza! Im Mund dann ein cremig-konzentrierter Auftakt, Kühle, erfrischendes Säurespiel, sehr fest gewirkt. Hat eine wunderschöne innere Struktur mit großer Tiefe und Eleganz. Wunderschönes Spiel im Mund, man mag den Wein gar nicht ausspucken. Hat man es dann doch getan zeigt sich wieder diese herrliche Schiefermineralik. Ein großer Wein, nein ein großer Riesling! Für mich der Wein des Tages und vielleicht auch des Jahrgangs von Johann Donabaum.
Im direkten Vergleich dazu eine schon 2 Tage geöffnete Flasche des
Wieder der charakteristische Schiefer-Kräuter-Ton; wirkt selbst nach 2 Tagen immer noch nicht präsent. In der Nase Noten von Lakritz, im Mund wieder wunderbarer Schmelz, gute Konzentration, sehr lange im Mund präsent, hohe Mineralität bei schönem Frucht-Säure-Spiel. Sehr gut.
Der Neuburger:
Die Rebsorte Neuburger ist in Spitz eng verbunden mit dem Name Johann Donabaum. Der Sage nach um 1850 von der Donau als Rebbündel angeschwemmt, vor der Burg abgelegt und neu gepflanzt, ist der Neuburger somit auch namentlich eng mit der Gegend verwurzelt. Nach gentechnischer Analyse ist sie eine höchstwahrscheinlich natürliche Kreuzung zwischen Roter Veltliner x Silvaner.
Johann Donabaum möchte die früher durchaus beliebte Sorte, die aber in den letzten Jahren unmodern wurde und nahezu verschwunden ist, weiterhin kultivieren und sieht darin ein gewaltiges Potenzial. Durch Fleiß und Anstrengung soll der Neuburger des Hauses Donabaum als beeindruckender Vertreter dieser Sorte gelten.
Der Neuburger des Jahres 2004 war eine besondere Herausforderung für Johann Donabaum. Mitte Oktober begann für etwa 3 Wochen eine Schlechtwetterperiode mit kühlen 15 Grad gepaart mit Regen und Nebel. Ideale Vorraussetzungen also für die Bildung des Botrytspilzes. Durch den drohenden 70% igen Ernteausfall enschloß sich Johann Donabaum, den Neuburger erstmals mit gesunder Botrytis auszubauen. Das Resultat ist ungewöhnlich und nicht uninteressant!
Im Duft leichte Spuren von Rosenblättern. Im Mund dann cremig, erkennbare Süße (120 Grad Oechsle), wirkt nicht süß oder breit, denn die charakteristische Säure des Neuburgers, der übrigens früher gerne eben aufgrund der rassigen Säure auch schon mal als Verschnittwein diesen musste, ergibt ein schönen Ausgleich. Lang anhaltend im Geschmack mit guter Tiefe und Länge. Der unfertigste Wein dieser Probe.